Liquiditätsplanung für KMU: So sehen Sie Engpässe Wochen im Voraus

Viele Unternehmen geraten nicht wegen Verlusten in Schwierigkeiten, sondern weil das Geld zur falschen Zeit fehlt. Eine einfache Planung über 13 Wochen zeigt Engpässe, solange man noch reagieren kann.

Kurz gesagt
  • Gewinn und Liquidität sind zwei verschiedene Dinge. Viele KMU geraten in Schwierigkeiten, obwohl sie Gewinn schreiben.
  • Eine rollierende Planung über 13 Wochen zeigt Engpässe früh genug, um zu reagieren. Sie lässt sich mit einer einfachen Tabelle führen.
  • Seit 2023 ist die laufende Überwachung der Zahlungsfähigkeit auch eine gesetzliche Pflicht, für den Verwaltungsrat einer AG wie für die Geschäftsführung einer GmbH.

Warum Gewinn nicht reicht

Die Erfolgsrechnung zeigt, ob ein Unternehmen Geld verdient. Sie zeigt nicht, wann das Geld fliesst. Ein Auftrag, der im März fakturiert und im Juni bezahlt wird, erhöht den Gewinn im März, auf dem Konto ist er aber erst im Juni. Dazwischen müssen Löhne, Material und Miete bezahlt werden.

Besonders gefährlich ist Wachstum. Mehr Aufträge bedeuten mehr Vorleistungen, mehr offene Rechnungen und mehr Lager. Ein wachsendes Unternehmen braucht deshalb oft mehr Liquidität, nicht weniger.

So ist eine 13-Wochen-Planung aufgebaut

Dreizehn Wochen entsprechen einem Quartal. Das ist kurz genug, um genau zu planen, und lang genug, um auf einen Engpass noch reagieren zu können. Jede Woche wird die abgelaufene Woche durch die tatsächlichen Zahlen ersetzt und hinten eine neue Woche angefügt.

ZeileInhaltWorauf achten
AnfangsbestandKontostände aller BankkontenNur verfügbare Mittel, keine gesperrten Konten
EinzahlungenKundenzahlungen, übrige EinnahmenNach dem tatsächlichen Zahlungsverhalten planen, nicht nach dem Fälligkeitsdatum
LöhneNettolöhne, Quellensteuer13. Monatslohn und Boni im richtigen Monat erfassen
SozialversicherungenAHV-Akonto, Pensionskasse, Unfall- und KrankentaggeldMonatlich, quartalsweise oder jährlich, je nach Vertrag
MehrwertsteuerZahlung der AbrechnungFällig 60 Tage nach Ende der Abrechnungsperiode
Lieferanten und FixkostenMaterial, Miete, Leasing, VersicherungenJährliche Prämien nicht vergessen
Steuern und FinanzierungSteuerraten, Zinsen, AmortisationenProvisorische Steuerrechnungen sind planbar
Endbestand und LimiteAnfangsbestand plus Einzahlungen minus AuszahlungenMit der Kreditlimite und einem Mindestbestand vergleichen
Rechner

Reicht Ihre Liquidität für die nächsten 13 Wochen?

Geben Sie grobe Durchschnittswerte ein. Der Rechner zieht die Löhne in den Wochen 4, 8 und 13 ab und die Mehrwertsteuer in Woche 9.

Werte als Tabelle
WocheKontostand

Ein Mindestbestand als Warnschwelle

Legen Sie einen Betrag fest, der nie unterschritten werden soll, zum Beispiel einen Monat an Lohn- und Fixkosten. Zeigt die Planung, dass der Endbestand in einer der nächsten Wochen darunter fällt, ist das der Moment zu handeln. Nicht erst, wenn das Konto leer ist.

Die wirksamsten Hebel

  • Schneller fakturieren: Rechnungen am Tag der Leistung stellen, nicht am Monatsende. Bei grösseren Aufträgen Anzahlungen oder Teilrechnungen vereinbaren.
  • Konsequent mahnen: Ein freundlicher Anruf wenige Tage nach Fälligkeit wirkt oft besser als die dritte schriftliche Mahnung.
  • Zahlungsfristen prüfen: 30 Tage für Kunden und 10 Tage für Lieferanten sind eine schlechte Kombination.
  • Lager und Vorräte: Jeder Franken im Lager fehlt auf dem Konto.
  • Investitionen finanzieren: Langfristige Anschaffungen nicht aus dem laufenden Betrieb bezahlen, sondern mit passender Finanzierung.
  • Mit der Bank reden, bevor es eng wird: Eine Kreditlimite erhält man leichter mit einer Planung in der Hand als in der Not.

Vier Fehler, die ich in Planungen oft sehe

  • Umsatz statt Zahlungseingang: Geplant wird, was fakturiert wird, nicht was tatsächlich eingeht. Wer Kunden mit 30 Tagen Zahlungsfrist hat, die im Schnitt nach 45 Tagen zahlen, sollte mit 45 Tagen planen.
  • Einmalige Zahlungen fehlen: Versicherungsprämien, die Schlussabrechnung der Ausgleichskasse, Steuerraten oder die jährliche Leasingrate tauchen erst auf, wenn sie fällig sind.
  • Keine Reserve für Unvorhergesehenes: Ein grosser Kunde zahlt einen Monat zu spät, und die Planung kippt. Ein Mindestbestand fängt genau das auf.
  • Einmal erstellt, nie nachgeführt: Eine Planung, die drei Monate alt ist, beruhigt, ohne zu informieren. Ihr Wert entsteht erst durch die wöchentliche Nachführung.

Planung als Pflicht des Verwaltungsrats

Seit dem neuen Aktienrecht 2023 muss der Verwaltungsrat einer AG die Zahlungsfähigkeit laufend überwachen. Für die Geschäftsführung einer GmbH gilt dasselbe. Eine nachgeführte Liquiditätsplanung ist der einfachste Nachweis, dass diese Pflicht erfüllt ist. Mehr dazu im Beitrag Kapitalverlust und Überschuldung.

Wie ich das umsetze

Bei Klienten, die ich laufend betreue, baue ich die Planung direkt auf der Buchhaltung auf: offene Debitoren und Kreditoren, Lohnläufe und bekannte Fälligkeiten fliessen automatisch ein. Der Aufwand für die wöchentliche Nachführung liegt dann bei wenigen Minuten. Wichtiger als ein perfektes Werkzeug ist, dass die Planung regelmässig angeschaut wird.

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick, Stand Oktober 2026. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

Quellen: Obligationenrecht, Art. 725 · Mehrwertsteuergesetz, Art. 71 und 86

Igor Pavlovic

Igor Pavlovic ist Treuhänder und Revisor in Luzern. Er begleitet Unternehmer und vermögende Privatpersonen in Steuern, Nachfolge und Revision, auch bei Sachverhalten mit Auslandbezug.

Wissen Sie, wie es in drei Monaten auf Ihrem Konto aussieht?

Ich richte Ihnen eine Liquiditätsplanung ein, die auf Ihrer Buchhaltung aufbaut und sich in Minuten nachführen lässt.

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